the devils present - about Amine

An Weihnachten stand er plötzlich vor meiner Tür. Ich weiss nicht wieso mich das überrascht hat, er ist schliesslich fast immer bei mir, wenn ich nicht gerade bei ihm bin.

"Hast du keine Familie?" begrüsse ich ihn. Amine lacht nur, "Wir haben gestern schon gefeiert"erklärt er, "und du?" Ich sehe auf die Uhr, "Wir feiern nicht schon am Morgen um neun Uhr." bemerke ich spitz.

"Gut, passt ja perfekt, dann kann ich jetzt reinkommen richtig?" Ich trete aus dem Türrahmen zurück, "Seit wann fragst du um Erlaubnis?" Ein Lachen ist die einzige Antwort die ich bekomme.

Amine streckt mir eine kleine schwarze Schachtel entgegen, mit einer fetten , weissen Schleife drum. Kitsch pur, was sollte das werden, ein Heiratsantrag oder ein Weihnachtsgeschenk?


"Pack es schon aus." Seine Augen strahlen vor Vorfreude, also öffne ich es.
Als ich die Schleife wegnahm, fiel mir die silberne Schrift in der Mitte des Deckels auf: Chopard

Ist der Typ verrückt geworden?! Wer kann sich von einem Lehrlingslohn schon etwas von Chopard leisten?!

Kritisch öffne ich die Schachtel und finde ein schmales, goldenes Armband. Es besteht aus drei dünnen Kettchen, die aussehen als würden sie direkt kaputt gehen, wenn man sie anfasst. Es ist hübsch. Trotzdem hätte ich niemals mein Geld dafür ausgegeben.

Amine nimmt mir das Kettchen sanft weg und bindet es mir um. Mein Handgelenk sieht ziemlich zerbrechlich aus in seinen riesen Händen. Ich mag es wenn er mich anfasst, trotzdem ziehe ich meine Hand zurück. "Danke," ich drücke ihm ein Kuss auf die Wange.

Amine setzt sich auf die Tischplatte und grinst mich an. "Wo ist deine ganze Family hin?" Ich deute an die Decke, "Meine Cousine schläft noch und mein Onkel ist mit meiner Tante bestimmt Zeitung kaufen gegangen oder so. Das heisst aber nicht, dass du hier bleiben kannst."

Wahrscheinlich ist es ziemlich unhöflich jemanden aus dem Haus zu schmeissen, der gerade eine Menge Geld für einem ausgegeben hat.
In dem Moment ist mir das aber ziemlich egal, Amine auch, er bleibt nämlich seelenruhig sitzen.

Seufzend mache ich ihm ein Kaffee, meine Weihnachtsgeschenke sind alle auf dem Tisch verstreut, wie selbstverständlich pickt er ein Buch heraus, nachdem er sich alles angesehen hat. Er blättert darin herum, "Hey, lass uns ein Gedankenexperiment machen, ja?" Ich stelle ihm die Tasse hin, ich warte. Während er vorliest, sehe ich ihn an, um nicht auf das sündhaft teure Armband zu starren. Ihn anzusehen ist auch nicht besser, mir will das strahlen in seinen Augen von vorhin nicht mehr aus dem Kopf gehen. Er war wie ich, er war verdammt nochmal schlimmer als ich. Dieser Ausruck hatte nichts in seinem Gesicht verloren.

25.12.14 20:03

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