Der weisse König fällt - about Amine

Ich habe euch bereits über einige seltsame Freunde von mir berichtet.
Aber den besten habe ich euch bisher vorenthalten. Das liegt aber nicht daran, dass er es nicht wert wäre über ihn etwas zu schreiben. Es ist bloss so, dass ich ihn noch nicht lange kenne.

Eigentlich kenne ich ihn gar nicht, ich verbringe einen Grossteil meiner Zeit mit ihm, aber kennen tue ich ihn trotzdem nicht, zumindest nicht ganz.
Amine, er ist eindeutig mein Lieblingsrätsel.


Das ganze begann vor drei Wochen, genau drei Wochen, fast auf die Stunde genau. Ich lernte ihn durch eine Freundin von mir kennen.
Natürlich eine Freundin, er gab sich genauso wenig mit dem selben Geschlecht ab wie ich. Dieser Junge gleicht mir übrigens in vieler Hinsicht, aber darauf kommen wir später.

Wir wollten später ins Kino gehen und hatten uns zuvor in der Wohnung von irgendeinem Typen verabredet, den ich nicht kannte. Wir alle kannten uns kaum. Jeder hatte seine eigenen Freunde mitgebracht, so dass wir am Ende gut 20 Leute waren. Von diesen 20, kannte ich zwei.

Doch ich will nicht abschweifen, immerhin wollte ich von Amine berichten und nicht davon, wen ich alles kannte bzw. nicht kannte.

Wie dem auch sei, meine beiden Freunde kannten so gut wie alle. Da sie in irgendwelche Gespräche und Rummalbereien verwickelt waren, hatte ich mir also jemand anderes zu suchen mit dem ich die Zeit totschlagen konnte. Ich knüpfe leicht neue Kontakte, das war also an und für sich kein Problem. Ich kam jedoch gar nicht dazu, Amine fand mich zuerst.

Er fand mich, obwohl ich mich gar nicht hatte finden lassen wollen. Das kommt selten vor, ich war beeindruckt. Das war wohl auch sein Ziel, ich zu beeindrucken. Ein ausgeprägter Hang zur Selbstdarstellung, irgendwoher kannte ich das doch.

"Amine", stellte er sich vor und reichte mir die Hand. Andy, erwiderte ich und ergriff sie. Er hatte ziemlich grosse Hände, ich mag grosse Hände...

Während wir uns auf das Sofa setzten, fiel mir ein kleines Schachspiel auf. Eines dieser Magnet-Reise-dingsbums. Er fing meinen Blick auf, "Spielst du?" fragte er mich. Ich lächelte fein, "gelegentlich." antwortete ich. Das war eine Lüge, ich hatte früher eine Menge Zeit damit verbracht, gegen mich selbst, andere und den Computer Schach zu spielen.

"Wollen wir ein Spiel wagen?" Diesmal lachte ich wirklich, ich hatte verstanden was er mir sagen wollt und ja, ich wollte spielen.

Wahrscheinlich hatte ich Amine unterschätzt, sah ganz danach aus, als wäre ich nicht die einzige, die früher regelmässig gespielt hat. Keine Ahnung, wie lange wir unsere Figuren hin und her schoben, ohne den anderen besiegen zu können. "Nicht schlecht," bemerkte Amine. Ich schob meinen Turm zwei Felder vor. "danke." erwiderte ich, das gleichfalls sparte ich mir. Es waren die ersten Worte die wir im Laufe des Spiels wechselten. Ich hatte meine Vermutung wieso.

Wie gesagt, hatte ich mir das gleichfalls verkniffen. Statt dessen, war ich auf eine andere art und weise höflich. Eine die nur wenige Leute verstanden, die richtigen. "27" Erklärte ich also beiläufig. Der Weg für meinen Springer war frei, ich machte meinen Zug. "Schach." Gleich würde sich zeigen ob ich mit meiner Vermutung richtig lag. "31" antwortete er. Ich konnte nicht verhindern, dass sich ein Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitete und ich mich selbstzufrieden zurücklehnte.

Dieser Typ war ein Monster, aber das war ich auch.

Ich wartete auf seinen Zug und war mir fast sicher, zu wissen was er tun würde. Lachend bewegte er den König so, dass er ihn nicht mehr im nächsten Zug beschützen konnte. "Matt." Er stiess seinen König um.

Ich wusste, dass er absichtlich verloren hatte und ich konnte mir auch denken wieso. Er wieder rum wusste, dass es mir klar war.

Obwohl wir uns kaum kannten, legte er wie selbstverständlich seinen Arm um meine Taille als wir uns mit den anderen auf den Weg ins Kino machten, es störte mich nicht. Im Gegenzug lies ich meine Hand in seine Hosentasche gleiten. Wir unterhielten uns mit den anderen bis wir im Kino angekommen waren. Spontan entschieden wir uns die spätere Vorstellung anzusehen und erstmal in der kinoeigenen Bar, etwas zu trinken. Absichtlich setzte ich mich nicht neben ihn, absichtlich zog er sich einen Stuhl heran um doch neben mir einen Platz zu haben.

Jeder dachte wir würden flirten, das taten wir auch. Aber nicht in dieser Weise wie sie es verstanden. Wir waren beide Monster, unfähig einander zu lieben und doch so fasziniert von einander, dass wir uns für das einzige entscheiden, dass der Liebe am nächsten kam.

Wir wollten den anderen besitzen, wir konnten nicht ohne einander. Zumindest vorerst nicht. Wir sind gleich, er und ich. Und weil wir uns beide brauchten, stellten wir uns in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einander. Ein ewiges Machtspiel, wer über den anderen zu gebieten hatte. Wer sich einfacher lösen konnte, wer den anderen einfacher verletzte, wer weiterhin so weitermachen konnte wie bisher.

20.12.14 16:02

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